PROGRAMM
Franz Embacher
fe@ap.univie.ac.at
Multimedia
mathe online
http://merlin.mpi.univie.ac.at/~fe/
mathe online
ein interaktives multimediales Lehrmittel
Franz Embacher
mathe online ist ein Projekt zum Aufbau eines Online-Angebots zum Oberstufenstoff
Mathematik, mit besonderer Berücksichtigung des Zweiten Bildungswegs. Es
am World Wide Web frei zugänglich.
Mathematik am Web
Sie sind SchülerIn in einer AHS/Oberstufe oder BHS und haben Schwierigkeiten
mit dem Mathematikstoff? Sie wollen sich auf eine wichtige Schularbeit
vorbereiten oder einfach ein bisschen Nachhilfe, wollen Ihr Verständnis
überprüfen und ein paar Begriffserklärungen nachlesen? Sie sind Mathematik-LehrerIn
und wollen in Ihrem Unterricht das Internet einsetzen und fragen sich,
wo gibt es interaktive Mathematik-Seiten im Web? Sie sind TeilnehmerIn
eines Mathematik-Kurses im Zweiten Bildungsweg und wollen zusätzlich zur
gerafften Darstellung des Stoffs ein weiteres Lehrmittel konsultieren,
eine Lücke schließen, die durch ein paar versäumte Stunden entstanden sind?
Sie sind StudentIn eines Faches, in dem Mathematik als Hilfsmittel verwendet
und während der ersten zwei Semester in Sie hineingepumpt wird, und Ihre
Erinnerung an den Oberstufenstoff ist nicht mehr so lebendig wie Sie es
gern hätten?
Vielleicht sollten Sie sich dann die Website von mathe online unter
http://www.univie.ac.at/future.media/mo/
ansehen. Dieses Projekt hat sich den kontinuierlichen Aufbau eines Angebots,
das Menschen in derartigen Situationen hilft, zum Ziel gesetzt. Es wurde
im März 1998 gestartet und ist an der Universität Wien beheimatet. Zum
derzeitigen Angebot gehören
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eine Galerie interaktiver Einheiten (Java-Applets) zu bestimmten Themen
(vor allem zum Verstehen zentraler mathematischer Begriffe und Zusammenhänge)
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eine Reihe von (hypertext-basierten) Dokumenten, den Mathematischen Hintergründen,
in denen der Stoff beschrieben wird, zusammen mit einem Lexikon mathematischer
Begriffe, und
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eine umfangreiche Zusammenstellung von Internet-Adressen (Mathe-Links),
die Online-Werkzeuge für den täglichen Bedarf, Material zu einzelnen Themenstellungen
und große Ressourcen-Sammlungen anbietet.
Das bestehende Material wird regelmäßig erweitert, die Mathematischen
Hintergründe und das Lexikon nach und nach aufgebaut. Anregungen der
BenützerInnen können den AutorInnen per E-Mail oder mittels eines Online-Fragebogens
übermittelt werden.
Das Projekt wird durch das Unterrichtsministerium, die Oesterreichische
Nationalbank und den Verband Wiener Volksbildung unterstützt. Erste Pilotversuche
zum Einsatz in der Schule und in der Erwachsenenbildung werden Anfang 1999
anlaufen.
Dynamische Diagramme
Zentraler Angelpunkt des didaktischen Konzepts von mathe online ist das
Verstehen, was in der Mathematik so vor sich geht. Die modernen interaktiven
Techniken ermöglichen neue Formen des Lehrens und Lernens. Die bisherigen
Anstrengungen der EntwicklerInnen konzentrierten sich vor allem auf die
Gestaltung von Java-Applets der Galerie. Das Angebot versucht, neue Maßstäbe
in der Art und Weise, wie Multimedia den Lernprozeß unterstützen kann,
zu setzen.
Da wären zuerst einmal die dynamischen Diagramme zu nennen. Graphische
Darstellungen haben seit jeher die Entwicklung und die Darstellung mathematischer
Inhalte begleitet und beflügelt. Sie bilden ein Bindeglied zwischen intuitiv
einleuchtenden geometrischen Anschauungen und der Welt der formalen mathematischen
Argumentation. Nun sind traditionelle Graphiken in Büchern - aber auch
an der Tafel im Klassenzimmer - weitgehend statisch. So läßt sich beispielsweise
eine in einem statischen Bild dargestellte Variable nicht variieren.
Wer kennt nicht die angestrengten Versuche von Mathematik-LehrerInnen,
Zusammenhänge durch ständiges Löschen und Hinzuzeichnen an der Tafel vorzuführen?
Dynamische Diagramme am Computer-Bildschirm können bequem durch die Benützer
variiert werden. Mausklick und Mausziehen (im Allgemeinen von Schiebereglern)
enthüllen Zusammenhänge, die ansonsten für viele im Dunkeln blieben. In
mathe online wird versucht, mit Hilfe dieser Techniken zum Wesentlichen
vorzustoßen. Es geht nicht um eine neue Mathematik, und auch nicht darum,
sich das Denken vom Computer abnehmen zu lassen, sondern darum, anders
über Mathematik denken zu lernen: Geometrie und Formelsprache lassen sich
leichter aufeinander beziehen als bisher. Die intuitive Vorstellung hilft
beim Argumentieren und umgekehrt. Teils unkonventionelle Aufgabenstellungen
begleiten die Applets der Galerie. Aha-Erlebnisse sind durchaus das Ziel
und sollen die Grundlage für weitergehendes Lernen bilden. Langwieriges
Üben ist für manche Fertigkeiten durchaus notwendig, wird aber nicht als
Ersatz für Verstehen angestrebt. Missverständnisse können schneller ausgeräumt
werden und setzen sich nicht so leicht als Fehler fest.
Machen Sie die Probe aufs Exempel und rufen Sie die Applets 3-Vektoren
kennen lernen, Graphen von sin, cos und tan oder Zur Definition der
Ableitung auf!
Puzzles
Einige der Applets der Galerie sind als Puzzle gestaltet. In ihnen sollen
(durch Mausziehen) Aussagen oder Graphiken einander zugeordnet werden.
Zum Erstaunen der AutorInnen von mathe online haben diese Einheiten den
größten Zuspruch unter der - bislang kleinen - BenützerInnenschar gefunden.
Selbst so trockene Themen wie die symbolische Schreibweise bei der Definition
von Mengen oder Strukturen erkennen (siehe die gleichnamigen Applets)
rufen den Spieltrieb hervor. Allerdings ist ein spielerischer Zugang nicht
auf einfache Themen beschränkt - er läßt sich genauso gut auf ein tieferes
Verständnis quadratischer Gleichungen (siehe Quadratische Gleichungen
2") oder ein intuitives Erfassen der Differentialrechnung (Ableitungs-Puzzles")
anwenden. In manchen Fällen ist sogar eine automatisierte Fehlerdiagnose
möglich.
Puzzles stellen die BenützerInnen ganz generell vor eine Mehrzahl von Entscheidungsmöglichkeiten,
und daher vor die Aufgabe, an mehrere (hier: mathematische) Objekte gleichzeitig
zu denken. Das ist im Mathematik-Unterricht keineswegs leicht zu bewerkstelligen
(man denke z.B. an den für ein spielerisches Hantieren mit selbstgezeichneten
Diagrammen notwendigen Zeitaufwand). Dennoch ist es für den Schritt vom
Beispiel zur allgemeinen Regel ganz entscheidend, mehrere mathematische
Dinge gleichzeitig und schnell handhaben zu können. Wenn sich mehrere Personen
überlegen, welches Kino sie heute abend besuchen werden, so denken sie
gleichzeitig an eine Vielzahl von Filmtiteln, Besprechungen, Uhrzeiten
und Adressen und gehen kreativ damit um. In der Mathematik ergibt sich
das nicht so zwanglos. Die Fähigkeit, z.B. an mehrere Funktionen und Graphen
gleichzeitig denken zu können - und damit die mathematische Kreativität
- kann durch entsprechend gestaltete Puzzles gefördert werden.
Aufgrund von Wünschen aus dem Schulbereich wurde eine Seite hinzugenommen,
die es BenützerInnen gestattet, ihre eigenen Puzzles zu gestalten und lokal
abzuspeichern (siehe den Link Puzzles zum Selbermachen auf der Einstiegsseite)
- dieses Angebot wahrzunehmen, ist natürlich nicht auf Mathematik beschränkt!
Mathematische Hintergründe und der Verlust der Orientierung
Mathematik-Lernen bedeutet Arbeit - trotz Multimedia! So sehen die eher
text- und hypertext-basierten Seiten zurecht mehr nach Arbeit aus als die
Applets. Sie beinhalten eine Darstellung des Stoff in der Sprache, in der
Unterricht und Prüfungen normalerweise stattfinden. Ihr Verständnis ist
das eigentliche Lernziel. Hypertext erlaubt es, die Abfolge etwas flüssiger
zu gestalten als im traditionellen Printmedium. Beispiele, Bemerkungen,
Beweise und Graphiken werden in eigene Dokumente ausgelagert und sind durch
Buttons aufrufbar. Auch alle anderen Einheiten (Java-Applets, Web-Ressourcen)
sind von diesen Seiten aus ansteuerbar. In einer weiteren - geplanten -
Ausbaustufe sollen sie sämtliche Informationen über die Vorgangsweise (Was
soll ich jetzt tun?) tragen.
Hier droht der Orientierungsverlust! Wo bin ich? ist auf großen Websites
oft eine durchgängige Frage. Schließlich will man ja vielleicht manche
Seiten wiederfinden und den Überblick über das Ausmaß des hier zur Verfügung
stehenden Materials haben. In mathe online wird dieses Problem durch eine
eigene Fenster-Philosophie gelöst. Inhaltliche Unter-Einheiten, die zu
einer bestimmten Seite der Mathematischen Hintergründe gehören, erscheinen
in eigenen, verkleinerten Browser-Fenstern, so dass sich höchstens die
Frage Was ist hier drinnen? erhebt und das Wo bin ich? gar nicht als
Problem auftritt. Außerdem werden keine Frames verwendet, so dass alle
Seiten den Lesezeichen-Eintragungen des Browsers hinzugefügt (gebookmarkt)
werden können.
Die Mathematischen Hintergründe werden komplettiert durch ein Lexikon,
in dem mathematische Begriffe - in alphabetischer Reihenfolge - definiert
werden. Der Aufbau dieser Einheiten hat im Wesentlichen erst im Sommer
begonnen und wird in nächster Zeit weiter voranschreiten.
Web-Ressourcen
Im Web stehen sehr viele Angebote zum Thema Mathematik zur Verfügung. Von
Taschen-Rechnern aller Art über Programme zum Lösen von Gleichungen,
Graphiken erstellen, Differenzieren, Integrieren bis zur Anwendung aufwendiger
numerischer Verfahren liegen Ressourcen bereit - sehr oft online, ohne
zusätzliche Software besitzen oder downloaden zu müssen. Eine große Zahl
spezieller Themenstellungen wurde von MathematikerInnen und Programmierern
in aller Welt interaktiv gestaltet. Reichhaltige Sammlungen und spezielle
Mathematik-Suchmaschinen weisen den Weg zu diesen Schätzen, aber er ist
dennoch dornig: Die Aufgabe, sie zu sichten, zusammenzustellen und zu kommentieren,
wird laufend im Rahmen des Projekts durchgeführt.
Wer darf/wer kann?
Alle dürfen! Im Prinzip ist dazu nur ein Zugang zum World Wide Web und
ein Java-fähiger Browser notwendig. Da nicht alle Interessieren über eine
Web-Verbindung verfügen und manche Zugänge von langen Übertragungszeiten
geplagt sind, wird eine Download-Version für Windows 95 und NT angeboten
(siehe den Link Download auf der Einstiegsseite), die von Zeit zu Zeit
erneuert wird.
Zukunftspläne
Neben dem weiteren Ausbau der einzelnen Stoffkapitel ist geplant, vier
bestehende Lücken zu füllen:
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die Bereitstellung von Übungsaufgaben und Tests (hauptsächlich in JavaScript,
z.T. mit automatisierter Fehlerdiagnose),
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das Einfügen von Orientierungshilfen über Stoff-Anforderungen für verschiedenen
Prüfungstypen, was besonders für den Zweiten Bildungsweg wichtig ist,
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das Einfügen tutorieller Vorschläge (Antworten auf die Frage Was soll
ich jetzt tun?) in die Seiten der Mathematischen Hintergründe, und
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das Einfügen eines Systems zur Bewertung des bisherigen Lern-Fortschritts.
Im Laufe des Jahres 1999 werden mehrere empirische Eignungstests des Angebots
in Schulen und Volkshochschulen durchgeführt und gegebenenfalls Korrekturen
vorgenommen werden. Dabei soll auch die bisher offene Frage geklärt werden,
wie weit beim Lernen von Mathematik ein - zumindest unregelmäßiger - Unterricht
unverzichtbar ist.
Interessierte sind eingeladen, mit Rückmeldungen nicht zu sparen und so
zu einer dynamischen Optimierung des Angebots von mathe online beizutragen.